„Ich war in Australien“: Das können 13 Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums nun sagen, die kurz vor den Sommerferien für sechs Wochen an das andere Ende der Welt gereist sind. Das zweite Mal in Folge fand der Schüleraustausch mit der Brisbane State High School (BSHS) in Queensland, Australien statt. 

Ende des vergangenen Jahres war es erneut soweit: Schülerinnen und Schüler des zehnten und elften Jahrgangs konnten sich für den Austausch bewerben, der nun das zweite Mal in Folge stattgefunden hat. Dieses Jahr hatten die Schüler das große Glück, dass es nicht nur, wie im vorherigen Jahr zehn, sondern 13 Plätze zu vergeben gab. Die Schüler mussten ein Bewerbungsverfahren meistern, allerdings musste in diesem Jahr keinem Schüler die enttäuschende Nachricht überbracht werden, dass er nicht dabei ist - es wurden alle angenommen und ich war eine von den Glücklichen.
Allerdings war dies nicht das einzige, was zum vorherigen Jahr anders war.
Wir haben die Reise dort begonnen, wo die Schüler den Austausch letztes Jahr beendet hatten - in Sydney.

Da Australien südlich des Äquators liegt, haben wir unsere Reise im australischen Winter angetreten - zum Glück. Denn laut unserer Austauschpartner können im  australischen Sommer schon einmal Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius erreicht werden. Da es aber glücklicherweise Winter war, waren die Temperaturen eher wie in unserem späten Frühling, was ziemlich angenehm war. Jedoch hatten wir dieses Jahr leider etwas Pech und es hat die ersten zwei Tage in Sydney geregnet, was uns allerdings nicht die Vorfreude auf die kommenden Wochen nehmen konnte. Der erste Tag in Sydney war für uns alle ziemlich anstrengend, da wir nach einer 32-stündigen Reise alle ziemlich müde waren. Zum Glück kamen die meisten von uns aber relativ schnell mit der Zeitverschiebung zurecht.
Trotz des schlechten Wetters haben wir direkt am Montag nach unserer Ankunft eine Stadtführung gemacht und Sydney zu Fuß erkundet. Wir waren im Hyde Park, in der Altstadt The Rocks und haben die Oper und die Harbour Bridge aus der Ferne betrachtet. Danach ging es für uns alle so schnell wie möglich ins Bett, da wir doch nicht ganz vom Jetlag verschont blieben. 
Am Dienstag ging es für uns mit einer Hafenrundfahrt weiter. Wir konnten die Oper nun erneut bewundern, aber diesmal aus einer ganz anderen Perspektive. Zum Glück hatte das Wetter während der Fahrt mitgespielt und es hat nicht geregnet. Am Abend sind wir alle gemeinsam nach China Town gegangen. Wenn man bei uns Asiatisch essen möchte, bietet Australien eine weitaus größere Auswahl als es bei uns in Deutschland üblich ist. In China Town war schließlich für jeden etwas dabei und wir haben den Abend mit asiatischem Essen in Ruhe ausklingen lassen.

Am Mittwoch war es dann soweit und es ging für uns in die Blue Mountains. Wir haben mit dem Aborigine Evan eine Wanderung durch den Regenwald gemacht und viel über seine Lebensart, die Traumzeit (dreamtime), gelernt. Wir haben viel über Hoffnungen, Träume und Rituale gesprochen und konnten somit die Lebensweise der Aborigines kennenlernen. Das Highlight des Ausfluges war der Wasserfall, den wir am Schluss besichtigt haben. Am Ende des Tages waren wir alle ziemlich kaputt, aber glücklich. Wir waren uns alle einig, dass die Blue Mountains schwer zu toppen sind.
Am Donnerstagmorgen sind einige von uns vor Sonnenaufgang aufgestanden, um diesen vor einer ganz besonderen Kulisse zu sehen. Es war kalt und wir waren müde, aber es hat sich in jedem Fall gelohnt. Ich glaube, ich habe noch nie einen so schönen Sonnenaufgang gesehen. Die ganze Kulisse mit der Oper und der Harbour Bridge war einfach unfassbar schön. 
Später am Tag ging es für uns in kleinen Gruppen weiter. Eine der Gruppen entschied sich den Taronga Zoo zu besichtigen. Wir sind so erneut mit der Fähre an der Oper und der Harbour Bridge vorbei gefahren und haben den Ausblick genossen. Ich glaube, es hat bei uns allen etwas gedauert, bis wir wirklich realisiert haben, wo wir eigentlich waren. Am Zoo angekommen, haben wir uns direkt auf die Suche nach dem berühmt berüchtigten Ausblick auf die Stadt gemacht. 
Es war super schön, die Stadt noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen und natürlich haben wir viele Fotos gemacht. Abends ging es für uns alle noch zum Sydney Tower Eye, wo wir einen tollen Ausblick aus 250 Metern Höhe auf die Stadt hatten. Später am Abend folgte ein weiteres Highlight: es in die Oper. Wir haben uns dieses Jahr allerdings dazu entschieden keine Rundführung zu machen, sondern uns eine Vorstellung anzusehen. Wir schauten das Stück Baranga, im welchem Traumzeitelemente tänzerisch umgesetzt wurden. Dies war der perfekte Abschluss für so einen tollen Tag und die Vorstellung hat uns allen gut gefallen. 
Am  Freitag sind wir alle zum Bondi Beach gefahren und haben eine kleine Wanderung entlang an der Küste gemacht. Der Bondi Beach ist mit seinem weißen Sandstrand einer von Australiens bekanntesten Stränden. Der Strand ist nicht nur ein perfektes Ausflugsziel, sondern zieht auch viele Surfer an.
Am Abend sind wir alle gemeinsam ein letztes Mal im Darling Harbour etwas essen gegangen. Im Hotel wieder angekommen wurden dann die letzten Sachen eingepackt und die Vorfreude auf Brisbane stieg langsam an, wo wir fünf weitere Wochen das australische Leben in Gastfamilien kennenlernen würden.

An Flughafen in Brisbane angekommen wurden wir freundlich empfangen und uns allen wurde schnell klar, dass Australien ein sehr offenes Land ist. Viele verschiedene Nationalitäten leben dort und von Diskriminierung gab es keine Spur - im Gegenteil. Wir waren sehr schnell nicht nur ein Teil der Familie, sondern wurden in die Freundeskreise integriert. So haben wir mit den Familien zwei Wochen Winterferien verbracht und drei Wochen am Schulleben teilgenommen.

Das Schulleben gestaltet sich in Australien anders als bei uns. Die Brisbane State High School liegt in South Banks und somit fast mitten in der Stadt. Deshalb mussten wir alle auch ganz unterschiedlich lange zur Schule fahren. Manche von uns haben über eine Stunde mit dem Auto gebraucht und andere sind zehn Minuten zu Fuß gegangen. Es ist aber kein Wunder, dass die Schüler teilweise so lange Schulwege in Kauf nehmen. Die Brisbane State High School ist zwar eine öffentliche Schule, dennoch aber eine der besten Schulen Queenslands. Wer auf die Brisbane State High möchte, muss entweder einen Aufnahmetest bestehen oder kann mittels eines Stipendium, welches man durch besondere sportliche oder musikalische Leistung erhält, aufgenommen werden.
In der Regel dauern die Schultage von neun Uhr morgens bis 14:50 Uhr nachmittags. Die einzelnen Schulfächer, von denen es vier am Tag gibt, dauern immer 70 Minuten. Die Schule hat mehrere Gebäude und sogar extra Brücken, damit man von Gebäude zu Gebäude gehen kann. Die 10-minütigen Pausen muss man meistens nutzen, um über die enorm gefüllten Brücken zum nächsten Unterricht zu gelangen. In der längeren Mittagspause hatten wir allerdings Zeit, um mit Freunden zu reden und uns etwas auszuruhen.
Die Brisbane State High School ist keine ganz normale Schule. Die Schüler arbeiten anstatt mit Büchern mit Laptops und iPads, was erstaunlich gut funktioniert. Die Schüler müssen so keine schweren Bücher mitnehmen, können gleichzeitig aber auch nicht sagen, dass sie die Hausaufgaben zu Hause vergessen hätten. Uns allen ist auch aufgefallen, dass der Unterricht wesentlich stiller verläuft. Die mündliche Beteiligung wie bei uns in den Klassen gibt es fast gar nicht. Die Schüler arbeiten meistens alleine oder in Gruppen an Langzeitprojekten.
Die BSHS hat außerdem eine riesengroße Auswahl an Schulfächern. Es gibt eine große Fremdsprachenauswahl: Italienisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Chinesisch und Japanisch. Aber auch der künstlerische Bereich wird unterstützt. Es gibt Fächer wie Media Arts, Dance, Drama und Technik. Außerdem gibt es viele verschiedene Möglichkeiten für die Schüler ihrer Musik oder ihrem Sport nachzugehen. Viele der Schüler kommen sogar vor Unterrichtsbeginn zur Schule, um zum Beispiel an Trainingseinheiten teilzunehmen.
Was für uns alle etwas gewöhnungsbedürftig war, in Brisbane und Australien aber der Regelfall ist, sind die Schuluniformen. Die Mädchen mussten einen knielangen, dunkelblauen Rock, eine weiße Bluse und ein blau-rotes BSHS Band tragen. Ab dem zehnten Jahrgang  kommt ein rot und blau gestreifter Blazer dazu. Dieser ist bei vielen Schülerinnen und Schülern mit Stickereien versehen, welche die herausragenden Leistungen der Schüler repräsentieren. Die Jungs müssen eine lange oder kurze graue Hose, ein blaues (bei Anlässen weißes) Hemd, graue Kniestrümpfe und ebenfalls den Blazer (ab Klasse 10) tragen. Was für alle Mädchen sowie Jungen gilt, sind die schwarzen Lederschuhe, die weißen knöchellangen Socken sowie der Sonnenhut. Es ist ganz klar festgelegt, was man tragen muss. Selbst die Haargummis - die man ab einer Haarlänge, die über die Schultern geht, tragen muss - waren farblich angepasst. Folgt man diesen Vorgaben nicht, kann es passieren, dass man von dem Schuluniformenkontrolleur erwischt und verwarnt wird - oder es gibt sogar eine Strafe: Nachsitzen. Wir hatten zwar Uniformen an, aber die wenigsten von uns haben einen Hut bekommen. Bei uns war der Kontrolleur allerdings immer sehr freundlich, sobald man klar gestellt hat, dass man ein deutscher Austauschschüler ist.

Während der Schulzeit haben wir einige Ausflüge ohne unsere Austauschpartner unternommen. Ein Ausflugsziel war der Workshop zur Traumzeit, bei dem wir einen traditionellen Tanz aufgeführt haben und sogar einen Boomerang werfen konnten. Außerdem sind sind wir an die Gold Coast gefahren und haben uns im Outback Spectacular eine faszinierende Show angeguckt, bei der wir ein leckeres 3-Gänge-Menü genießen konnten.
Des Weiteren haben wir mehrere Kunstmuseen wie die Gallery of Modern Art besichtigt und das Lone Pine Koala Sanctuary besucht. Wir haben außerdem die Stadt zu Fuß und mit der Fähre erkundet, sind ins Kino gegangen und haben auf dem Kangaroo Point Lookout gegrillt.

Zum Schluss lässt sich eigentlich nur noch sagen, dass die sechs Wochen mit vielen schönen Momenten verbunden sind. Der Austausch hat sich mehr als gelohnt. Wir haben die australische Kultur näher kennengelernt, neue Freunde gefunden, atemberaubende Orte gesehen und einen sehr warmen Winter erlebt. 

Wir freuen uns jetzt schon auf die Australier, die im Dezember ihre Reise nach Deutschland antreten und hoffen, dass ihnen Deutschland so gut gefallen wird wie uns Australien!