Die letzten 365 Tage vergingen wie im Flug. Kaum beginnt das neue Jahr, machen sich wieder einmal sämtliche Schüler der Jahrgänge Fünf bis Neun auf die Suche nach dem Ort für den perfekten Zukunftstag. Spannend soll es sein, Spaß machen und am besten Einblicke in einen möglichen Berufszweig geben, dem man sich später widmen könnte. Mein perfekter Zukunftstag war letztes Jahr, am 23. April 2015. Man sagt immer, nichts und niemand sei perfekt. Da stimme ich auch voll und ganz zu. Aber lest selbst ...

Es ging früh am Morgen los zum Flughafen Hannover, wo gegen 8 Uhr der Flieger nach München auf mich wartete. Im Flugzeug angekommen, bekam ich die verwunderten Blicke der anderen Fluggäste zu spüren. Alle trugen sie Anzug und Aktenkoffer wie auf einer Dienstreise. Hier und da tönten die Gesprächsfetzen der telefonierenden Geschäftsmänner, manche auf Deutsch, andere auf Englisch. Und ich? Ich saß dort, locker gekleidet, den riesigen Rucksack zu meinen Füßen und die Kopfhörer im Ohr. Kaum 55 Minuten nachdem sich das Flugzeug in die Luft geschwungen hatte, näherte sich uns auch schon wieder der Boden. "Willkommen in München!", dröhnte es aus den Boardlautsprechern.
Als ich kurze Zeit später in eines der Taxis stieg, die vor dem Flughafen bereitstanden, waren es nur noch an die 60 km, die mich vom gewünschten Zielort trennten. Auf dem Weg kam ich an vielen interessanten Orten vorbei. So auch an der Allianz Arena und einigen künstlerisch gestalteten Gebäuden, bis wir schließlich anhielten. Ich war da! Vor mir befanden sich die verschlossenen Tore der "Universität der Bundeswehr München". Mein Weg führte mich zu einem jungen Mann, dessen Aufgabe es war, zu kontrollieren, wer rein und raus ging. Da ich mich vorher angemeldet hatte, zeigte ich lediglich meinen Ausweis vor und durfte schon auf die andere Seite des Tores. Nur ein paar Meter weiter wurde mir dann bewusst, auf was für einem riesigen - nein gigantischen! - Gelände ich mich befand. Auf meinem Weg zum vereinbarten Treffpunkt mit Herrn Prof. Dr. Thienel, seinem Assistent Sebastian Scherb und einer jungen Studentin, welche sich gerade mitten in ihrer Doktorarbeit befand, kam ich an vielen Häuserreihen vorbei, in welchen die fitten Soldaten ihre Schlafplätze bezogen. Spätestens als ich an Bibliotheken, einer Mensa und schließlich einer Kirche vorbeikam, erschien mir das Uni-Gelände viel mehr eine kleine Stadt zu sein als ein normaler Campus.
So traf ich dann schließlich auf die besagte Studentin, Carola Chucholowski, welche sich für ihre Promotion mit Porenbeton beschäftigte. Diese war äußerst nett und zuvorkommend und nahm mich erst einmal mit auf eine Campus-Tour, wobei sie mir erklärte, wo sich was befand und mir ein paar geschichtliche Hintergründe bezüglich des Universitätsgeländes erläuterte. So erfuhr ich unter anderem, dass der große Parkplatz, auf welchem sich gefühlt Millionen von Studentenautos mit den mir fremdesten Kennzeichen befanden, früher einmal eine Landefläche für Militärflugzeuge gewesen war.
Weiter ging es ins Labor des Baustoffkundeinstituts. Auch dort wurde mir durch Caro eine kleine Führung zuteil. Sie zeigte mir die verschiedenen Räume und dessen Bedeutung und stellte mir einige Menschen dort vor. Doch mit dem, was als nächstes kam, hätte ich nicht gerechnet:
Hat jemals ein Kinder Überraschungseier in einen Computertomographen gelegt, um noch vor eigentlichem Öffnen zu sehen, welches Spielzeug sich darin befindet? Nein? Aber genau das haben wir getan. Ein Computertomograph ist ein Gerät, welches normalerweise für die zerstörungsfreie Untersuchung von Baustoffgefügen genutzt wird. Im Prinzip ähnelt es sehr den medizinischen CT-Geräten, wie sie auch in Krankenhäusern aufzufinden sind. Wieder etwas dazu gelernt!
Bei den vielen Eindrücken hatte ich die Zeit ganz vergessen, sodass ich es kaum fassen konnte, dass es bereits an der Zeit war, in der Kantine mit Caro, Herrn Professor Thienel und einigen Mitarbeitern Mittagessen zu gehen. Und ob man es glauben will oder nicht, das Essen, welches in meinem Fall Spaghetti Bolognese war, schmeckte dort um einiges besser als unser herkömmliches Mensaessen.
Nach der kleinen Verschnaufpause ging es ans Herstellen von Kerzen- und Zettelhaltern aus hochfestem Spezialbeton, was ziemlichen Spaß bereitet hat. So durfte ich selbst die Zutaten anmischen, die Farbe bestimmen und Gemisch in einen zum Förmchen zweckentfremdeten Joghurtbecher füllen. Und diese mit kleinen Steinchen verzieren. Selbstverständlich geschah dies mit Schutzkleidung, ganz wie im Chemie Unterricht.
Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein. Caro führte mich erneut zum Bereich der Bundeswehr, wo wir einen Marder 1A5 bestaunen duften.

Dieser Schützenpanzer, in welchem insgesamt drei Soldaten und sechs Grenadieren Platz gewehrt werden kann, wiegt je nach Ausrüstung um die 33 Tonnen.
Nach einer kleinen Einführung in die Motoren dieser riesigen Gefährte kam schließlich das Ereignis, auf welches wir mit Vorfreude gewartet hatten, eine Vollspeed-Panzerfahrt in einem freien Gelände über Haufen von Gesteinsbrocken und Betonplatten. Mit Schutzbrille im Gesicht den Fahrtwind spürend und bei jedem Hindernis einmal ordentlich durchgeschüttelt, sahen wir aus den Luken heraus auf unsere Umgebung. Durch die beim Hindernisse überquerende gelegentlich nahezu senkrechte Position, erinnerte diese wilde Fahrt an die einer Achterbahn. Denn auch, wenn wir im Gegensatz zu so mancher Achterbahnfahrt nie überkopf standen oder Loopings vollführten, war das Gefühl im Prinzip das gleiche, wenn nicht vielleicht sogar extremer. Denn wie man sich vermutlich denken kann, war der Respekt gegenüber dieses beeindruckenden Fahrzeugs stets vorhanden.
Aber man darf nicht vergessen, jeder Tag neigt sich irgendwann dem Ende zu. Wie heißt es so schön? Man hört auf, wenn es am schönsten ist. Es kam schließlich dazu, dass Herr Professor Thienel uns netterweise mit seinem Wagen raus aus der von mir ernannten Stadt, vorbei am Tor, durch die Straßen Münchens zur S-Bahn-Station "Neu-Perlach-Süd" brachte, wo Sebastian Scherb als Begleitung bis zum Hauptbahnhof München diente, von wo aus es schließlich Richtung Flughafen ging. So stieg ich um 17:50 Uhr erneut in einen Flieger voller Geschäftsleute, die ihren Rückweg antraten.
Was sie wohl diesen Tag erlebt hatten? Sicherlich war er nicht ansatzweise spannender verlaufen als meiner. Wie auch? Ich hatte riesigen Spaß. Meine Neugierde war nun gefüttert mit vielerlei Informationen und Sinneseindrücken, ich hatte Ü-Eiern einen CT verpasst, aus Beton Dekoartikel hergestellt und war mit einem Panzer gefahren. Wer wollte das überbieten?
Das Flugzeug landete keine ganze Stunde später in Hannover, Langenhagen. Welch ein Tag!