Eines der vielen Angebote an unserer Schule ist die Teilnahme am Erasmus+-Projekt. Dieses findet für den 10. Jahrgang als wöchentliche AG statt und befasst sich mit dessen Projektthema: Youth unemployment – Europe get ready for new challenges! Exploring educational and vocational training systems across Europe.
Um die besagten Bildungssysteme der verschiedenen europäischen Länder kennenlernen zu können, ist Erasmus nicht nur eine AG, sondern auch ein Schüleraustausch.

So können die Teilnehmer eine Woche bei als Gastkind im Ausland leben und ihre Austauschschüler dann auch selbst für eine Woche zu Hause empfangen.

Die teilnehmenden Länder sind Norwegen, Spanien, Polen, Ungarn, Frankreich und natürlich Deutschland.
Für den diesjährigen Austausch durften die Schüler des GSGs sowohl nach Frankreich fahren, als auch nach Griechenland fliegen und haben dort eine Menge erlebt und dazugelernt.

 

 


Meine Woche in Griechenland

Natürlich könnte ich am Anreisetag beginnen zu erzählen. Aber auch zuvor war die Aufregung unter den Projektteilnehmern recht groß. Denn bevor wir uns am 12.11.2016 in Düsseldorf in den Flieger setzten, fanden bereits erste AG-Treffen statt, bei denen wir uns sowohl auf unser Gastland, als auch auf die Gastschule und natürlich unsere Austauschpartner vorbereiteten. Wer mochte wohl meine Partner werden? War es ein Mädchen oder ein Junge? Und wofür mochte er oder sie sich wohl interessieren?
Nicht umsonst hatten sowohl die griechischen, als auch die deutschen Schüler ihre Steckbriefe an die griechischen Lehrer abgegeben, welche uns aufgrund unserer Interessen und Hobbys zuteilen sollten.
Am 03.11. war es dann endlich soweit! Mein Austauschpartner ist ein 14-jähriges Mädchen, namens Anastasia, welche noch im gleichen Jahr fünfzehn werden sollte. In ihrer Freizeit tanzt sie Ballett, spielt Theater und verbringt gerne Zeit mit ihren Freunden. Sie lebt zusammen mit ihrem kleinen Bruder und ihren Eltern in einem Vorort von Thessaloniki. Ihr Vater besitzt einen Pizzaladen.
Unabhängig davon, dass sie noch ein wenig jünger war als ich, machte sie einen sympathischen Eindruck. Die letzten eineinhalb Wochen vor meiner Reise unterhielten wir uns über Instagram Direkt, bis sich schließlich alle griechischen Schüler WhatsApp besorgten, was in Griechenland wohl nicht ganz so üblich zu sein schien.

Mit einem Koffer voller Kleidung und Gastgeschenken machte ich mich am 12.11. schließlich auf den Weg zum Hannover Hauptbahnhof, wo ich auf Frau Bankowsky und die anderen Schüler vom GSG und der IGS traf. Diese schickte nämlich zu unseren sechs Teilnehmern vier aus dem 11. Jahrgang hinzu, welchen von ihrer Lehrerin, Frau Kleemann, begleitet wurden.
Gemeinsam machten wir uns nun auf den Weg zum Zug, welcher uns nach Düsseldorf bringen sollte, von wo aus wir nach Thessaloniki flogen. 

Als wir dann gegen 16 Uhr Ortszeit dort ankamen und mit unseren Koffern in die Ankunftshalle liefen, wurden wir auch schon von vielen erfreuten Gesichtern in Empfang genommen. Nachdem sich jeder jedem einmal kurz vorgestellt hatte, nahmen Anastasia und ihr kleiner Bruder mich mit zu ihren Eltern ins Auto. Außer Anastasia sprach keiner von ihnen fließend Englisch. Lediglich ein paar einzelne Worte, aber das stellte kein großes Verständigungsproblem dar. Mit einzelnen Wörtern Englisch, Griechisch und sogar Deutsch hat die Kommunikation bei ihnen zu Hause ganz gut funktioniert.
Der kleine Stergios, welcher gerade einmal 8 Jahre alt war, entpuppte sich schnell als riesiger Fußballfan, woraufhin mir von Anastasia übersetzt wurde, dass die Lieblingsmannschaft der kompletten Familie PAOK war. Der Verein war anscheinend der mit den meisten Anhängern in ganz Thessaloniki, zumindest fand man in jeder der Straßen, inklusive der Vororte, ein Graffiti des Vereinsnamens.

Eigentlich stand uns, ehe wir uns alle am Montag in der Schule wiedersehen würden, ein gesamtes Wochenende bevor. Jedoch hatten die Griechen sich einiges an Programm überlegt, sodass wir noch direkt am Samstag, unserem Ankunftstag, abends in Basilico, einem Pizzaladen in der Stadt gemeinsam essen gingen. Dieser befand sich direkt am Meer und ermöglichte uns einen schönen Ausblick.

Solche schönen Abende sollten wir noch öfter haben. Die Griechen kannten sich, was gute Lokale anging, sehr gut aus. So besuchten wir am Sonntag ein sehr beindruckendes Café, namens Pepper, welches sich ebenfalls am Meer befand, ganz in der Nähe des Λευκός Πύργος (White Tower). Von außen fiel das Café mit der schlichten, schwarzen Fassade direkt auf. Immerhin erstrahlten die meisten der vielen Gebäude dort in einem hellen weiß, manche auch in beige. Innen drin jedoch herrschte eher das Flair einer Bar. Zusätzlich zum einem Schlagzeug und einer Gitarre hingen überall Bilder von bekannten Rock- und Punkbands an den Wänden. Seien es The Ramones, The Who, Pink Floyd oder auch Jimi Hendrix, es war alles dabei. Als wäre das nicht schon eindrucksvoll genug, schmückte eine der Wände ein Bild von Le Voyage Dans La Lune in Form eines Wandgemäldes. (Wer also mal in Thessaloniki ist, sollte diesem Lokal definitiv einen Besuch abstatten!)
Eine weitere Neuentdeckung für uns deutsche Schüler, stellte ein Lokal im Vorort Pylaia dar. Dieses hieß Monopoly und war nichts Anderes als ein Lokal, in dem man sowohl essen und trinken, als auch Spiele spielen konnte. Von FIFA über Poker war alles dabei.
Aber nun genug von unseren Freizeitbeschäftigungen. Denn der Grund unserer Reise war natürlich ein anderer!

Montagmorgen begann unser erster Schultag zum Projektthema. Um 8:30 Uhr startete das Treffen aller Teilnehmer im Bioraum der Schule. Dieser wurde nämlich zum offiziellen Erasmusraum erklärt. (An dieser Stelle ist noch eine Bakery und Pattisery namens Ɛστία zu erwähnen, von der ich mir jeden Morgen einen äußerst leckeren und stylischen Cupcake und ein Sandwich geholt habe; lohnt sich ebenfalls!)
Wir begannen mit einer kleinen Vorstellungsrunde zum Kennenlernen. Gleich danach ging es auch schon los. Wir bekamen die Ergebnisse einer Umfrage an den Schulen aller teilnehmenden Länder und sollten diese übersichtlich als PowerPoint-Präsentation aufbereiten, um diese dann als Kurzvortrag vorzustellen. In der Umfrage ging es um die jetzigen Schüler der weiterführenden Schulen und ihre persönlichen Antworten rund um die Themen „Zukunftsängste“, „Berufschancen“ und „Bildungssystem“.
In den Pausen wurde uns ein riesiges Büffet aus Obst, Kuchen und anderen Backwaren bereitgestellt. Zudem erkundeten wir erstmals die Schule, welche uns nicht nur einen wunderschönen Ausblick auf die unter ihr liegende Stadt bietet, sondern auch selbst in ihren rosa-pastell Tönen eine nette Ansicht bot.

Am Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg in die Shopping Mall Cosmos. Dort befand sich nahezu alles, was ein hannoverisches Mädchenerz begehrt. Denn dort gibt es einige Läden, die wir in Deutschland nicht oder nur selten haben. Egal, ob Sephora,Pull and Bear oder Bershka, spätestens bei der Abteilung mit den vielen Bistros, war für jeden etwas dabei.

Am Dienstag besuchten wir eine mit dem griechischen Arbeitsamt kooperierende Institution namens „KEK“Sie stellt eine Anlaufstelle für Arbeitslose Bürger dar, die mit Hilfe von Fortbildungen und Seminaren versucht, den jungen Menschen Chancen auf Jobs zu verschaffen. Da die Arbeitslosenrate und die Jugendarbeitslosenrate in Griechenland leider mit zu den höchsten in ganz Europa gehören, müssen sich viele der Menschen, die sich dort melden, komplett umschulen lassen. So werden beispielsweise aus angehenden Ärzten Krankenpfleger oder schlimmer: aus anderen hoch qualifizierten Fachkräften auf einmal Bäcker oder Friseure. Sie müssen Berufe erlernen, die sie niemals selbst gewählt hätten und ihrer Ausbildung nicht gerecht werden.
Danach ging es für uns zum griechischen Arbeitsamt, „OAED“. Dort erhielten wir ebenfalls einen spannenden Vortrag, welcher sogar zum Teil auf Deutsch gehalten wurde. Denn, auch wenn man vielleicht erst nicht damit rechnet, finden sich doch einige deutschsprachigen Menschen dort an. Sei es der freundliche Herr, der und den Vortrag gehalten hat oder etwa der Informatik Lehrer der Schule, viele von ihnen haben bereits einige Jahre in Deutschland verbracht. Und von den jungen Leuten, die noch nicht hier waren, wollen noch viele herkommen. Sie alle sehen in Deutschland entweder wesentlich bessere Jobchancen und die Gelegenheit auf eine hochwertige Ausbildung an deutschen Universitäten und Fachhochschulen.

Mittwoch folgte der längste Ausflug. Nachdem wir uns morgens in der Schule trafen, kam auch schon unser Bus, welcher uns zu Tsantalis Ouzo und Weinbrauerei brachte. Diese befand sich auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki, einem der Top-Ferienorte Griechenlands. Wir bekamen eine Führung, die uns durch alle Arbeitsschritte der Herstellung geleitete.
Zum Schluss durften wir dem Besitzer der Plantage einige Fragen zu seinen Arbeitern, dessen Lohn und Arbeitszeiten stellen.
Am Nachmittag fuhren wir dann weiter Richtung Süden. Wir bekamen ein wenig Freizeit in Afytos, einer alten, malerischen Ortschaft an der Ostküste Kassandras. Wir liefen unendlich viele Treppen runter zum Strand und ruhten uns dort eine Weile lang aus.
Zum Ende des Ausflugs fuhren wir wieder ein Stückchen weiter hin den Norden Chalkidikis, wo wir gemeinsam essen gingen.

Am Donnerstag folgte schließlich mein Lieblingsschultag. Es war der Tag, an dem wir an einer kreativen Aufgabe verarbeiten sollten, was wir in unserer Woche dort über Jugendarbeitslosigkeit gelernt haben. Egal ob Fotoserie, Songtext, Kurzgeschichte oder Tagebucheintrag, wir sollten eine individuelle Geschichte eines Jugendlichen Arbeitslosen erzählen.
In einer Gruppe von je zwei Deutschen und zwei Griechen entschied sich meine Gruppe für den Tagebucheintrag. Wir verfassten insgesamt 10 Stück, per Hand in ein Notizbuch und versahen die Seiten zusätzlich mit kleinen Zeichnungen und Zitaten. Nach dem Fotografieren der beschriebenen Seiten und dem Erstellen einer PowerPoint-Präsentation war unsere Leidensgeschichte geschaffen.
Am Abend fand dann der „National Evening“ statt. Zusätzlich zu einem Büffet – mittlerweile sollte klar sein, dass die Griechen viel Wert auf Essen legen! – gab es moderiert von Schülern eine Vorstellung der griechischen Kultur. Die Vorstellung beinhaltete vielerlei Kurzvideos über griechisches Essen und die Stadt Thessaloniki. Es folgten eine Diashow mit den Bildern, die über die Woche geschossen wurden und ein Live-Tanzauftritt von griechischen Tänzen, zu welchen alle Gäste zum Mittanzen eingeladen waren.

Jede der am Donnerstag gebildeten Gruppen durfte am Freitag schließlich ihr Werk vorstellen, ehe wir uns auf den Weg in die Stadt machten.
Die Lehrer gaben uns vor Ort ein wenig Freizeit, bevor wir uns zu einer Art geschichtlichem Rundgang des White Towers verabredeten. Nachdem wir von Stockwerk zu Stockwerk mehr über Thessalonikis Geschichte erfahren durften, folgte oben angekommen schließlich die schönste Aussicht, die wir dort je zu Gesicht bekommen hatten. Abschließend absolvierten wir eine Schiffstour entlang der Küste, welche ebenfalls einen wunderschönen Ausblick bot. Wir hatten Glück, denn unser letzter richtiger Tag dort war zugleich mit 16 Grad Celsius der wärmste. 

Ehe wir am Samstag abreisen sollten, ließen wir den die Woche am Abend gemeinsam in einem Restaurant ausklingen.
Samstagmorgen trafen wir uns recht früh in der Eingangshalle des Flughafens, wo wir uns voneinander verabschieden sollten. Es flossen einige Tränen als wir uns schließlich trennten.
Müde stiegen wir später in den Flieger.
Zum Glück kehrte keiner von uns wirklich traurig wieder nach Hause. Immerhin freuten wir uns nun umso mehr auf unser baldiges Wiedersehen im März, wenn unsere griechischen Austauschschüler uns besuchen kommen!