Mittlerweile sollte es jeder in den Nachrichten gehört haben: Die Ergebnisse des Votums vom 23. Juni sind da und beschäftigen die ganze Welt. Gestern hieß es für alle Briten, die 18 Jahre oder älter sind, sich auf den Weg zur örtlichen "polling station" zu machen und entweder ihr Kreuz bei "Remain" oder bei "Leave" zu setzen. 70% der britischen Bürger gaben ihre Stimme ab und entschieden mit knappen 51,9% zu 48,1% für das Verlassen der Europäischen Union. Was jedoch auffällt, ist die Stimmgewichtung in den verschiedenen Altersklassen und Ländern Großbritanniens. Es ist zu erkennen, dass die jüngeren Generationen stark gegen einen Brexit gestimmt haben, wogegen Wähler mit zunehmendem Alter sich eher für einen Brexit aussprachen. Aus diesem Grund begegnet man vielen Bürgern, die der Meinung sind, somit habe die ältere Generation der jüngeren ihre Zukunft geraubt. Diejenigen, die am längsten mit den Folgen dieser Entscheidung leben müssen, waren dagegen.
Wie wir alle wissen, besteht die UK aus Nordirland, Schottland, Wales und England. Tatsächlich lässt sich festhalten, dass Nordirland und Schottland einzeln betrachtet mehrheitlich gegen einen Brexit gestimmt haben, jedoch Wales und England, welche mehr Befürworter eines Austritts aus der EU besitzen, diese knapp überstimmten. Ein Ergebnis, das die britische Partei UKIP freuen dürfte, aber auch eine, durch die sich nun David Cameron entschied, demnächst von seinem Amt zurückzutreten: "I do not think it would be right for me to try to be the captain that steers our country to its next destination".


Bildergebnis für brexit

Doch was genau bedeutet denn nun Brexit?

Der Begriff "Brexit" ist zusammengesetzt aus "Britan" und "Exit" und bezieht sich auf einen möglichen Ausgang der von David Cameron (Premierminister GB) einberufenen Wahl zum Verbleib Großbritanniens in der EU. Es ist das aller erste Mal, dass tatsächlich ein Land aus der EU austritt.

Was ist die EU?

Die EU (Eurpäische Union) ist ein Bündnis von bisher 28 europäischen Ländern, die 1957 erstmals (unter anderem Namen) gegründet wurde. Sie hatte verschiedene Ziele, allen vorraus ein EU weiter Frieden, Solidarität, eine Stärkung der Wirtschaft und einfacherer Handel ohne Zölle innerhalb der EU. Großbritannien war keines der Gründungsmitglieder, trat aber 1973 bei und war bis zum heutigen Tag unter den Top Drei der wirtschaftlich stärksten Mitglieder und ein großer Rückhalt für Deutschland bei wichtigen Abstimmungen.

Wieso wollen dann so viele Menschen, dass Großbritannien die EU verlässt?

Das hat verschiedene Gründe. Einige Bürger verlangen ein "unabhängigeres" und "freieres" Großbritannien und erwarten durch den Austritt aus der europäischen Union, ihr Land werde "great again". Frei von den Regeln und Vorschriften anderer. Sie sind für den Austritt, um wieder demokratischer zu werden und sich nicht von den Entscheidungen anderer Länder fremdführen zu lassen. Ein Auslöser für dieses Denken ist vermutlich die momentane Flüchtlingskrise. Einige Briten befürchten, durch eine steigende Ausländerrate beeinträchtigt zu werden, sodass die Wirtschaft negativ beeinflusst würde. Doch ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Wahlen in Großstädten und bei gut verdienenden Bürgern eher gegen einen Brexit ausfiel.

Kann Großbritannien die EU einfach so verlassen?

Im Grunde genommen schon. Die Entscheidung folgte durch eine demokratische Abstimmung und lässt sich somit nicht rückgängig machen. Klar ist auch, dass es EU-Präsident Juncker den Briten nicht einfach machen wird. Einmal ausgetreten, für immer ausgetreten. Jedoch dauern die nun folgenden Verhandlungen, wie man so einen Ausstieg gestalten soll, die nächsten zwei Jahre an.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Großbritannien und den Rest der EU?

Abgesehen davon, dass schon heute die Börsen weltweit deutliche Tiefs erlitten und der Dax um rund 10% sank, wird vorraussichtlich der Wert des GB Pfunds drastisch sinken. Zudem wird der europäische Markt es durch die nun verfallenden Regelungen im Handel mit Großbritannien deutlich schwerer haben. Vermutlich werden einige Firmen die Zusammenarbeit mit britischen Firmen beenden oder es schlichtweg teurer und komplizierter haben, mit ihnen zu handeln. So auch viele deutsche Unternehmen. Volkswagen beispielsweise verkaufte bisher rund 10% seiner Waren an Großbritannien.
Des Weiteren fordert Spanien nun Gibraltar zurück, welches bisher von den Briten geführt wurde. Außerdem hat Großbritannien nun als erster tatsächlich einen Austritt gewagt, was dazu führen könnte, dass Länder wie Frankreich und die Niederlande sich ebenfalls zum Austritt verleiten lassen könnten. Deren Bürger sind schon seit längerer Zeit unzufrieden in der EU und haben trotz Austritts-Gegnern wie François Hollande dank Politikern wie der rechtsorientierten französischen Marine Le Pen starke Befürworter eines Austritts.
Aber um zurück auf Großbritannien zu kommen: Einige Stimmen befürchten, Schottland werde sich vom Rest der UK unabhängig machen und der EU anschließen. Genauso gibt es die Vermutung, Nordirland schließe sich vielleicht wieder mit Irland zusammen, sodass sie in der EU bleiben können. Wenn man sich nun an die oben genannten Differenzen beim gestrigen Votum unter den britischen Ländern erinnert, erscheinen diese Vermutungen gar nicht mal so abwegig.
Auch für deutsche Bürger wird sich einiges ändern: Das Studium in Großbritannien oder ein Platz für ein Auslandssemester wird nun schwieriger zu erlangen sein. Genauso könnte es dazu kommen, dass man als deutscher Tourist für einen Urlaub in Großbritannien nun ein Visum benötigt. Und woran zuerst vermutlich keiner denkt, sind die Auswirkungen auf den britischen Fußball. Die Kriterien für ausländische Spieler, weiterhin Teil einer britischen Mannschaft zu sein, werden stark verschärft.

Man merkt schnell, die Entscheidung für einen Brexit hat Einfluss auf ganz Europa, wenn nicht sogar die ganze Welt und bringt Konsequenzen mit sich, die in den verschiedensten Bereichen wirken. Es lässt sich nicht genau vorhersagen, was alles folgt, aber es lässt sich einiges vermuten. Wie sehr wird nicht nur die EU, sondern ganz Europa daran leiden? Wird die EU nun zu Grunde gehen? Wird sie reformiert?
In den kommenden Jahren wird sich politisch eine Menge ändern. Es bleibt nur abzuwarten, was genau.