Der mehrfach ausgezeichnete Roman „Tschick“ erschien 2010 beim „Rowohlt Taschenbuch Verlag“ (kurz rororo) und wurde geschrieben vom mittlerweile verstorbenen Wolfgang Herrndorf.

Der Jugendbestseller spielt in Berlin und handelt von dem 14-jährigen Maik Klingenberg, in dessen Klasse es einen neuen Mitschüler gibt. Der ist Russe und hat es irgendwie geschafft, von der Hauptschule aufs Gymnasium zu kommen.
Zu Anfang hegen alle - Maik eingeschlossen – einen Groll gegen ihn. Aber als Tschick kurz vor den Sommerferien erste Annäherungsversuche wagt und schließlich mit einem geknackten Lada vor Maiks Tür steht, beginnt nicht nur ein Road Trip, der ein großes Abenteuer bereithält, sondern auch eine Freundschaft, die zum Ende hin allen Oberflächlichkeiten und Vorurteilen trotzt und somit nicht größer hätte werden können.

Was mir besonders aufgefallen ist, ist der äußerst umgangssprachliche Schreibstil, den Herrndorf verwendet hat. Auch wenn sich an manchen Stellen die Schimpfwörter nur so aneinander reihen, passt diese Wortwahl perfekt zur Geschichte und verdeutlicht die Charaktere von Maik und „Tschick“, wie ihn Maik liebevoll nennt, ohne dabei lächerlich zu wirken, was meines Erachtens nach heutzutage recht selten ist.
Der Ich-Erzähler Maik hat trotz der realistischen Umgangssprache auch seine philosophischen Momente, in denen man merkt, wie er langsam erwachsen wird und sich auf seine Umwelt einlässt wie z.B. auf Seite 122 als er und Tschick auf einer Wiese liegend gen Himmel starren:

„Ich schaute in die Sterne mit ihrer unbegreiflichen Unendlichkeit und ich war irgendwie erschrocken. Ich war gerührt und erschrocken gleichzeitig. Ich dachte über die Insekten nach, die jetzt fast sichtbar wurden auf ihrer kleinen, flimmernden Galaxie, und dann drehte ich mich zu Tschick, und er guckte mich an und guckte mir in die Augen und sagte, dass das alles Wahnsinn wäre, und das stimmte auch. Es war wirklich ein Wahnsinn.“

Zudem hat Herrndorf die Charaktere so gründlich ausgearbeitet, dass einem jede einzelne Figur, sei sie auch eine Nebenrolle, nach nur wenigen Seiten zum Greifen nah erscheint.

Dennoch hat mich das Buch nicht ganz überzeugt, was wohl an mir selbst liegt und jeder Leser anders sehen kann. Mich hat die Geschichte nämlich nicht berührt. Weder im besonders positiven noch im besonders negativen Sinne. Die Denkansätze Maiks sind zwar gut auf Jugendliche heutiger Generation zurückzuführen und teils gar nicht mal so unpoetisch, jedoch auch nichts, was vollkommen neu wäre und von dem ich behaupten könnte, es habe mich weiter gebracht und ich hätte daraus gelernt.
Mehr als meine persönliche Meinung zum pädagogisch wertvollen Inhalt, habe ich diesem Werk jedoch nicht entgegenzusetzen.
Denn „Tschick“ ist nun mal ein Buch, das uns vor Augen führt, wie oberflächlich wir doch Menschen bewerten und wie viel Positives eigentlich in jemandem stecken kann, wenn wir der Person nur eine zweite Chance geben wie im Fall von Maik und Tschick.

Alles in allem würde ich hier also von einem (dank der Umgangssprache) mit Witz gefülltem Jugendroman reden, der trotz kurz gefassten 253 Seiten seine Figuren aufblühen lässt und den Leser in eine Welt entführt, in der Freundschaft die höchste Priorität hat und Rassismus gegenüber einem jungen, besoffenen, russischen Schüler glücklicherweise keine Rolle spielt.