Am Freitag, dem 16. September, fanden in der Aula des GSG zwei Lesungen für die Jahrgänge sechs und sieben statt. In diesen stellte der Fantasyautor Greg Walters seinen Debutroman "Die Geheimnisse der Âlaburg" vor, las seinen begeisterten Zuhörern ein paar Kapitel daraus vor und ging später humorvoll auf Fragen aller Art ein, welche die Schülerinnen und Schüler ihm stellen konnten. Nach der Lesung hatten wir die Möglichkeit, mit ihm ein Interview zu führen und ihn zur Entstehung seines Romans zu befragen.

Unter dem Pseudonym „Greg Walters“ veröffentlichte der Fantasy-Autor bereits den ersten Teil der „Farbseher-Saga“. In dieser dreht sich alles um den Menschenjungen Leik, welcher mit seinen 16 Jahren in Razuklan bisher ein Leben als normaler Fellverkäufer und auszubildender Jäger bei seinem Ziehvater führte. Doch nur bis zu dem stürmischen Wintertag, an welchem ein geheimnisvoller Fremder seinen Weg kreuzt und zum ersten Mal seine mächtige Gabe in Erscheinung tritt.
Die Geschichte handelt von der Lehre der Magie, Gerechtigkeit, der ersten Liebe, wahrer Freundschaft und nicht zuletzt davon, was es heißt große Verantwortung zu tragen und sich mit Mut und Entschlossenheit seinen Ängsten zu stellen.
Auch, wenn es zuerst so scheinen mag, als verberge sich hinter Die Geheimnisse der Âlaburg nur ein weiterer Harry Potter-Abklatsch, steckt in der Geschichte doch viel mehr. Besonders, wenn die Handlung richtig ihren Lauf nimmt und der Leser das erste Mal einen Einblick in die Art der auf der Burg praktizierten Magie bekommt, lässt sich das Buch kaum noch aus den Händen legen.
Aber überzeugt euch selbst und werft doch mal einen Blick auf die Leseprobe, zu finden unter: http://www.gregwalters.de/leseprobe/

Was machen Sie beruflich?
Ich bin Lehrer. Ich unterrichte Geschichte und Politik an einem Gymnasium in Braunschweig.
Haben Sie ein Lieblingsbuch oder einen Lieblingsautoren?
Ich lese gern Herr der Ringe von Tolkien.
Lesen Sie selbst gerne Fantasy? Oder wie kam es zu Ihrem Fantasy-Roman?
Also, ich lese ganz viel Fantasy und es hat mich immer geärgert, dass die Fantasyreihen, die ich gerne lese, irgendwann zu Ende sind und dann habe mir irgendwann gedacht, ich könnte auch einfach mal selbst schreiben.
Die Geheimnisse der Âlaburg ist Ihr Debutroman. War die Veröffentlichung eines Buches schon immer ein Wunsch von Ihnen gewesen?
Ja, ich habe mir das eigentlich schon immer erträumt. Wenn ich Bücher von anderen Leuten gelesen habe, habe ich mir gedacht- naja, also ich kann‘s vielleicht nicht besser, aber das könnte man ja vielleicht auch einmal versuchen. Dann habe ich aber am ersten Teil fast fünf Jahre geschrieben, weil ich es nicht kontinuierlich gemacht habe. Am Ende ist es aber schon ein tolles Gefühl, ein eigenes Buch in der Hand zu haben.
Haben Sie sich im Internet schon Rezensionen zu Ihrem Buch durchgelesen? Auf Amazon beispielsweise scheint es sehr gut anzukommen. Hätten Sie je damit gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Alle haben gesagt, ich solle einfach mal schreiben. Ich habe meinen Roman ohne Verlag veröffentlicht. Dies nennt sich Self-Publishing. Das ist etwas ganz Neues im Verlagswesen und wird nur über Amazon angeboten. Mein großer Wunsch war, dass ich eine einzige Rezension bekomme, die nicht von jemandem ist, den ich kenne. Also nicht von meiner Familie oder meinen Freunden, die das Buch nur mir zu Liebe gelesen haben. Und jetzt habe ich insgesamt über 200 Rezensionen und kenne die meisten Leute schon gar nicht mehr.
Wieso haben Sie sich eigentlich dafür entschieden, Die Geheimnisse der Âlaburg durch Self-Publishing zu veröffentlichen?
Es ist sehr, sehr schwer in Deutschland als Fantasyautor an einen Verlag zu kommen. Viele Verlage befinden sich in der Krise. Durch die neuen Medien kaufen immer weniger Menschen Bücher. Ich habe auch etliche Verlage angeschrieben, so ganz klassisch, wie man das so macht. Dabei waren alle großen Verlage, die man sich so vorstellen kann und die auch in den Buchhandlung vertreten sind. Die Netten haben eine Absage geschickt und die weniger Netten haben sich nie wieder gemeldet. Da habe ich mich auch wirklich entmutigen lassen.
Dann habe ich aber irgendwann entdeckt, dass es die Möglichkeit zum Self-Publishing gibt. Mittlerweile gibt es Autoren, die verkaufen Millionen von Büchern über das Self-Publishing. Daher habe ich das einfach mal selbst probiert, habe das Buch bei Amazon hochgeladen und habe im ersten Monat ganze 88 E-Books verkauft und im zweiten schon Tausend.
Wie groß war die Auflage der gedruckten Bücher?
Das kann man leider so nicht sagen. Mittlerweile gibt es keine Auflagen mehr beim Self-Publishing. Die Bücher werden On-Demand gedruckt. Ich verkaufe zu 95% E-Books, das heißt etwa 500 gedruckte Bücher. Dann schicke ich eine E-Mail in die USA zu Amazon und dann kommen die gedruckten Exemplare einfach per Post.
Hinter jedem Buch steckt auch eine Menge Arbeit und Kreativität. Was war Ihre Grundidee oder Ihre Basis, auf der das Buch aufbauen sollte?
Also die Grundidee war immer dieser verschneite Wald und die Jagdhütte und dieses gemütlich leuchtende Fenster, wo man Lust hatte, in die Jagdhütte zu gehen und eben auch dieser 16-jährige Leik, über dem irgendeine drohende Gefahr steht. Diese Sachen habe ich versucht, als Grundlage zu nutzen und die Fäden drum herum zu spinnen.
Wie sind Sie beim Planen vorgegangen?
Bei meinem ersten Roman war ich relativ planlos. 2010 war ich im Urlaub in Peking, hatte Aufenthalt am Flughafen und habe angefangen zu schreiben. Dort sind um die 30 Seiten entstanden. Danach war ewig Pause, bis ich zwei Jahre später weitergeschrieben und die Seiten komplett überarbeitet habe und noch einmal einen ganzen Schwung geschrieben habe. Dann habe ich erst richtig angefangen zu planen. Den Rest habe ich in etwa einem dreiviertel Jahr geschrieben. Man muss für so ein Buch leider ziemlich viel planen.
Wie viele Bände sind insgesamt geplant?
Es sind vier Bände geplant.
Woher nehmen Sie die Geduld so viele Seiten zu verfassen? Der erste Band der „Farbseher-Saga“ hat immerhin stolze 407 Seiten.
Am Anfang war das auch eine unvorstellbare Zahl. Ich hätte nie geglaubt, dass so viele Seiten zusammen kommen. Der Anfang war schwer, aber wenn man in seiner Geschichte ist, will die irgendwie erzählt werden und dann passiert das einfach so. Man setzt sich hin, will schreiben und dann passiert es einfach.
Haben Sie während der Schreibphase jemals an sich gezweifelt?
Ja, eigentlich habe ich das von Anfang an. Es war so: Ich habe 2010 angefangen das Buch zu schreiben, 2013 war es eigentlich fertig, doch zwei Jahre später wurde es erst veröffentlicht. Ich hatte das es schon zu etwa 95% fertig und habe nachher noch ein paar kleine Sachen geändert. Ich gab es dann erst einmal meiner Familie zum Lesen. Die haben gesagt, „Nett. Hast du nett gemacht, aber mehr dann auch nicht“. Ein Jahr später waren Freunde von mir zu Besuch, die super gerne Fantasy lesen und die haben dann natürlich gesagt, ich solle es unbedingt veröffentlichen. Es war eigentlich schon „weggeschmissen“ und in der Schublade zum nicht mehr Veröffentlichen. Doch dann habe ich es doch noch veröffentlicht.
Wow … Haben Sie einen Tipp zum Überwinden von Schreibblockaden?
Man muss in solchen Situationen einfach schreiben und darf keine Angst haben, auch ganze Kapitel wieder zu löschen. Und dieses Gar-nicht-schreiben ist das aller schlimmste auf der Welt.
Haben Sie einen Lieblingsort zum Schreiben?
Ich schreibe immer bei mir im Wohnzimmer. Ich habe natürlich auch ein prima Arbeitszimmer, so als Lehrer. Das ist aber im ersten Stock und da mein Hund ja nicht hoch darf, sitze ich immer am Esstisch und gucke ich in den Garten und der Hund guckt mir zu.
Hat "Die Geheimisse der Âlaburg" autobiographische Einflüsse?
Überhaupt nicht, ich kann ja nicht zaubern! (lacht)
Nein, das nicht. Aber bezogen auf Leik, seinen Charakter und sein Handeln?
Hm, also nicht bewusst. Aber unbewusst sind da so ein paar Sachen. Also Freunde, die den Roman lesen, sagen, dass auch ich bestimmte Formulierung benutzen würde, die im Buch auftauchen.
Wenn Sie Leik in wenigen Sätzen charakterisieren sollten, was würden Sie über ihn sagen?
Leik ist jung, unsicher, er hat auch ein ganz großes Herz und ist immer für seine Freunde da.
Den armen Leik haben Sie im ersten Teil ja schon einiges durchmachen lassen. Könnten Sie vielleicht schon ein wenig zum zweiten Teil verraten?
Der Kern der Geschichte dreht sich um vier Freunde, die sich finden, obwohl sie so unterschiedlich sind. Leik bildet den Mittelpunkt der Gruppe und der gesamten Geschichte. Mit seinem Schicksal ist im Grunde genommen das Schicksal seiner Umgebung und auch seiner Welt verbunden. – Um nicht zu viel zu verraten. (lacht)
Werden wir wieder etwas vom Schneefuchs hören? Und erfahren wir im zweiten Teil vielleicht ein wenig mehr zu Leiks Herkunft und Ûlyers Vater?
Ja, Schneefuchs ist auch auf dem Cover vom zweiten Band und zu Leiks Herkunft erfährt der Leser auch einiges. Aber Ûlyers Vater wird in Teil zwei keine Rolle spielen.
In welcher Zeit oder welchem Universum befindet sich die Geschichte von Leik und seinen Freunden?
Von dem, was sie können, würde ich sie in das Mittelalter verorten. Also in der realen Welt so um 1200.
Also eine Art Mittelalter mit magischen Einflüssen. Eine Parallelwelt?
Ja, genau. Es gibt ja auch Ritter, die Schwerter zum Kämpfen haben. Das fand ich auch ganz witzig an dem Buch. Übrigens sind viele Sachen, die ich in dem Roman als Magie beschreibe, hier für uns selbstverständlich. Wenn Leik auf den Flur geht und die Lampen gehen mittels Magie an, wäre das für uns ja nicht weiter aufregend.
Welche Staatsform herrscht in Leiks Welt? Zum Mittelalter passt doch eine Monarchie.
Ja, genau. Ich habe mich aber ganz bewusst entschieden, die Struktur der vier Reiche offen zu lassen. Und das bleibt bis zum Ende auch so. Manchmal gibt es bestimmte Beschreibungen aus der Vergangenheit, die von Kaiserreichen reden und von Königreichen bei den Menschen zum Beispiel. Bei den Orks gibt es einfach nur Rotten und Clans, die zusammen kämpfen. Bei den Zwergen gibt es Fürsten, die ich anspreche, aber immer nur im Nebensatz. Daher spielt die Staatsform eher keine Rolle.
Das politische Geschehen steht im Hintergrund.
Ja, die Politik steht im Hintergrund. Das mache ich sonst jeden Tag. (lacht)
Haben Sie vor, nach der „Farbseher-Saga“ noch andere Bücher zu veröffentlichen?
Ja, ich plane jetzt noch eine zweite Reihe, die auch in der Vergangenheit spielen wird. Aber in einer ganz anderen Zeit und auf eine ganz andere Art. Sie soll ein Dreiteiler werden.
Wie gehen Sie damit um, wenn sie negative Kritik aus dem Lektorat bekommen?
Also ich mache alles, was mir gesagt wird. Meine Lektorin ist sehr streng. Sie ist ein absoluter Profi und macht das auch für große Verlage, eben auch als Freiberufler. Es fällt mir schwer, Teile wieder wegzustreichen. Das tut einem richtig in der Seele weh. Wenn man bestimmte Stränge entwickelt und dann sagt der Lektor „das ist langweilig“ oder „das hatten wir im ersten Buch schon“ und „das ist aber falsch“. Zum Beispiel habe ich im ersten Buch das Ende des zweiten Teils schon relativ stark nach Lektoratkritik überarbeitet. Das ist aber wirklich schwer. Man schreibt zehn Seiten, um sie dann wegstreichen zu müssen und wieder von vorne anzufangen. Das ist echt nicht schön.
Wären Sie interessiert, Vollzeitautor zu werden?
Klar, träumt man davon. Ich würde das aber nur gerne machen, weil ich dann schreiben könnte und ich dann die Zeit dazu hätte. Ich muss ja ganz normal jeden Tag arbeiten. Daher läuft das Schreiben halt so nebenbei. Ich würde gerne von der Tätigkeit als Autor leben. Ich müsste damit dann aber so viel verdienen, dass ich vollkommen unabhängig bin. Ich würde jetzt ungerne meinen Job abgeben und dann von jeder Amazon Bewertung und jedem Buch, was gekauft wird, abhängig sein. Dann müsste ich jeden anbetteln, dass sie sich das Buch kaufen. So kann ich halt sagen, „Es läuft soweit ganz gut. Es ist ein nettes Hobby, aber ich muss nicht schreiben“.
Das ist sicherlich auch das Problem bei solchen kreativen Sachen.
Genau, das ist extrem schwierig. Also J.K. Rowling muss sich da keine Gedanken mehr machen. Im Moment könnte ich davon leben. Aber angenommen, der dritte Teil floppt, dann wäre es vorbei. Und dafür gebe ich meinen Job nicht auf.
Um als Autor internationalen Erfolg zu haben, müssen Bücher logischerweise übersetzt werden. Könnten Sie sich das für Ihre „Farbseher-Saga“ vorstellen?
Ja, also perfekt wäre natürlich eine englische Übersetzung. Dann würde man den globalen Markt erreichen. Dadurch, dass ich über Amazon vertreibe, wäre Amazon.com natürlich der große Markt. Ich verkaufe halt fast nur E-Books und die Amerikaner lesen zu 60-70% nur noch E-Books, wohingegen die Deutschen zu 85% nur Taschenbücher lesen und man als Self-Publisher nicht in eine Buchhandlung kommt. Die Buchhandlungen boykottieren ganz bewusst die Amazon-Autoren, weil sie eben sagen, wir würden ihr Geschäftsmodell kaputt machen. Das ist eine politische Diskussion und eine hochaktuelle Debatte.
Eine englische Übersetzung wäre eben gut, gerade perfekt, um den US-amerikanischen Markt, der momentan der größte der Welt ist, abzudecken. Ich bin momentan auch am Überlegen, ob ich das mache. Das wäre aber sehr teuer.
Schon schade. Gerade auf Englisch-
Ja. Die ganze Welt liest halt englische Bücher. Wobei ein Aha-Erlebnis, dank dem ich weitergeschrieben habe, war, als ich einmal in Indonesien während einer Zwischenlandung auf einem Flughafen war und es dort fast nichts gab. – Bis auf einen Buchladen und ein weiterer Laden, bei dem man Comics kaufen konnte. Da lag in dem Buchladen ein Buch von Cornelia Funke. Dieses Gefühl, irgendwo im Nirgendwo zu sein und dann liegt da ein englisches Buch einer deutschen Autorin, ist schon toll.
Das glaube ich gerne. Das war’s dann leider auch schon. Vielen Dank für das Interview!

 

Weitere Fotos der Lesung findet ihr hier: http://www.schollz.youthpress.de/index.php/rubriken/130-autor-am-gsg-greg-walters-in-bildern