Erstmals 2007 erschien Jay Ashers "13 reasons why" (deutscher Titel: Tote Mädchen lügen nicht) und schlug in die Bestsellerlisten ein wie eine Bombe. Kein Wunder bei der Storyline. Ein junges Mädchen, Hannah Baker, nimmt sich das Leben. Sie hinterlässt nichts außer sieben Kassetten, die auf dreizehn Seiten ihre Geschichte erzählen und alle Zuhörer fassungslos zurücklassen. Dreizehn Ereignisse, dreizehn Gründe wieso sie sich das Leben nahm. Und für all diese Gründe sind andere Menschen schuldig. Genau die sollen es erfahren, sie und niemand weiter. Sie plant, die Kassetten zu verschicken wie eine Art Kettenbrief. Jeder Schuldige soll hören, was er ihr angetan hat und ihre Hinterlassenschaft danach an die nächste Person weiterreichen, wegen der sie sich die Pulsadern aufschlitzte.

 

Allein die Grundidee des Jugendromans ist grandios, zieht in seinen Bann, bringt den potentiellen Leser zum Kauf. Doch als ich damals (keine Sorge, nicht mit sieben Jahren, ich war zwölf oder dreizehn) das Buch las, war ich zu Beginn geschockt, fast verstört und zum Ende hin enttäuscht. Jay Asher weiß es sehr wohl, sich einzigartige, packende Geschichten einfallen zu lassen. Nur leider nicht zu hundert Prozent, sie zu erzählen. Mich nahm der einfache Schreibstil nicht mit, die Hauptfiguren wirkten zu fern. Das Erzählte tragisch und alarmierend, aber nicht auf voller Linie überzeugend. Zumindest für mich persönlich. Denn anscheinend hat es genug andere Jugendliche begeistern können, um es auf die Spitze der Bestsellerlisten zu schaffen.

Als ich nun durch Netflix scrollte und las, dass am 31. März 2017 eben dieses Buch zur Serie verfilmt erscheinen sollte, war ich überrascht. Kein Film, eine dreizehn-teilige Serie. Und wie leidenschaftliche Bücherwürmer es kennen, kommen die Verfilmungen eigentlich nie - oder zumindest sehr, sehr selten - an das Buch heran. Jedoch entwickelte sich eine Art Hype um die Serie, dem ich nicht wiederstehen konnte. "Schau einfach mal rein", habe ich mir gedacht. Und aus dem "Einfach-mal-reinschauen" wurde dann ein "Nicht-mehr-weg-legen-wollen" meines Laptops.
Die Serie kommt nicht nur verdammt gut an das Buch heran, sie übertrifft es. Und das um Längen. Das, was ich niemals erwartet hätte, einzutreffen, geschah: Eine Verfilmung besser als das Buch. Meine Welt steht Kopf.

Einige Dinge sind anders als im Roman. Ein paar Szenen sind extremer, Parallelhandlungen kommen hinzu. All das hilft, die Handlung aufzuwerten. Die Hauptperson ist der 17-jährige Clay, ein Außenseiter. Er hat Hannah geliebt. Die Geschichte startet als auch ihn die Kassetten erreichen. Doch was hat er getan? Als einziger der dreizehn Schuldigen braucht er länger als nur 24 Stunden, um sich alle Kassetten anzuhören. Er leidet so sehr, dass der Hass auf sich und die zwölf anderen ihn verrückt werden lässt. Er hat Albträume und Wahnvorstellungen und möchte Gerechtigkeit schaffen. Hannahs Rache soll durch ihn verübt werden. Und er bekommt nicht genug.
Die Konflikte zwischen den Jugendlichen, welche die Kassetten erhalten sollen. Wie sie auf die Anschuldigungen reagieren, damit umgehen. Wie sie miteinander umgehen. Der Unglaube, die Verleumdung, die Schuldgefühle und perfiden Versuche, die Taten von sich zu weisen und andere stattdessen zu belasten. All die Lügen.
Zusätzlich wollen Hannahs Eltern Gerechtigkeit. Sie verklagen die Schule. Ihre Tochter sei gemobbt worden, die Schule hätte Anzeichen erkennen müssen. Doch Schulleiter, Lehrer und Vertrauenslehrer stellen sich dumm.
Der Gerichtsprozess rückt immer näher, Clay spielt den Moralapostel und die anderen versuchen, ihn zum Schweigen zu bringen. Diese Nebenhandlungen geben den Geschehnissen eine ganz neue Dynamik und zeigen, wie die Aktion des toten Mädchens über all das hinausgeht, was wir zuvor im Buch erfahren hatten. Alles spitzt sich auf diesen einen Moment zu. So weit, dass es als Zuschauer fast unerträglich wird. Wir wollen ein Ende, wir wollen, dass alles herauskommt.

Eine absolut gelungene Serie und eine umso bessere Verfilmung.